Das Handbuch der Audiotechnik, bei Springer Vieweg erschienen, gönnt sich nach 17 Jahren eine zweite Auflage. 1119 Seiten dick ist das großformatige Werk – und äußerst gelungen. Bei Mikrofonen und Lautsprechern gibt es eigene Kapitel für Wandlertechniken und Bauformen einerseits und die messtechnische Beschreibungen andererseits. Auch sonst ist einiges ausführlicher geworden. 44 Autorinnen und Autoren haben mitgewirkt, darunter Prof. Dr.-Ing. Dolores Pérez Guirao (Professorin für Netzwerktechnologien an der Ostfalia Hochschule), Ing. Karl Petermichl mit verschiedenen Stationen beim ORF, Leiter der ORF Distribution, Dr. Axel Schmidt (als „Head of Standardization“ Teil von Shure Spectrum & Regulatory Affairs Department) und Dipl.-Ing. Martin Schneider (Mikrofonentwickler, Anwendungs- und Messtechnik-Spezialist für die Firma Georg Neumann GmbH). Herausgeber Prof. Dr. Stefan Weinzierl leitet das Fachgebiet Audiokommunikation und koordiniert den Masterstudiengang Audiokommunikation und -technologie an der TU Berlin.
In Teil V des Buches, ab Seite 313, geht es um Mikrofone. Autor ist Martin Schneider. Zunächst werden Wandler und Bauformen beschrieben. „Ein Mikrofon (gr. mikros: klein und phone: Schall) ist ein elektroakustischer Wandler, der Schall in elektrische Signale umwandelt. Als erstes Glied in der Übertragungskette ist es maßgebend für die Qualität einer Tonaufnahme.“ Nach einer kleinen Geschichte der Mikrofonentwicklung geht es um Wandlerprinzipien, Empfängertyp und Richtcharakteristik. Besonders interessant ist das Unterkapitel über Bauformen. Ab Seite 343 beschäftigt sich Schneider mit Schaltungstechnik, Betrieb und Messtechnik.
„470 MHz – 694 MHz ist das weltweite Kernband“
Für unsere Zwecke und Tätigkeiten am wichtigsten ist das Kapitel 36 (ab Seite 905) zur Drahtlosen Audioübertragung. Verantwortlich zeichnen hier Prof. Dr. Jürgen Karl Peissig (Leiter des Fachgebiets Nachrichtenübertragungssysteme und Audiokommunikation am Institut für Kommunikationstechnik der Leibniz Universität Hannover), Axel Schmidt und Maria Pérez. Zunächst behandeln die drei Autoren die Frequenznutzung und den regulativen Rahmen. Zutreffend heißt es: „Für die professionelle Übertragung von Audiosignalen wird derzeit der Bereich < 3 GHz genutzt. Das UHF-Band unterhalb einer Frequenz von 1 GHz ist dabei aufgrund der Kombination von Antennengröße, guter Ausbreitungseigenschaften, geringer Körperabsorption und geringem Grundrauschen das geeignetste Band. Entsprechend stellt der Bereich 470 MHz – 694 MHz das weltweite Kernband für den Betrieb von professionellen drahtlosen Audioanwendung [gemeint wohl: Audioanwendungen] dar.“ Diesen Satz hätte man fett drucken können! Er bringt die Situation auf den Punkt!
„Spektrumsknappheit bereits akut spürbar“
Um elektromagnetische Interferenz zu verhindern, als gegenseitige Störungen, ist eine Planung der Nutzung des Frequenzspektrums erforderlich. Sodann wird ausführlich auf Audio-PMSE eingegangen, also Funkmikrofone, In-Ear-Monitor-Systeme (IEM), drahtlose Konferenzanlagen und Intercom-Systeme. Das System der Einzelzuteilungen und der Allgemeinzuteilung wird erläutert; natürlich konnten aufgrund des Erscheinungstermins des Buches (2025) die neue ab 2026 geltende Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur nicht mehr berücksichtigt werden. Sehr gut dargestellt ist im Buch auch der Verlust von Spektrum für PMSE, bei gleichzeitiger Identifizierung von neuem Spektrum.
Für das Kernband von 470 – 694 MHz, das gemeinsam mit der Rundfunk genutzt wird, ist „die Spektrumsknappheit an einigen Standorten bereits akut spürbar“. Gleichzeitig trieben die wachsende Anzahl von Medienproduktionen und die Nachfrage nach Audioaufnahmen mit höherer Auflösung einschließlich immersiver 3 D-Aufnahmen die Nachfrage nach zusätzlichen Frequenzbereichen für Audio-PMSE voran. Die Autoren fordern: „Diese zusätzlichen Frequenzbereiche sollten möglichst im globalen Maßstab harmonisiert sein, um den Umfang des potenziellen Marktes zu erhöhen und dem Nutzer unterschiedlich konfigurierte Geräte zu ersparen.“
Abschließend wird auf die Weltfunkkonferenz 2023 verwiesen; ein Hinweis, der in einem 2025 erschienenen Buch zunächst fremd anmutet, aber erklärlich ist, weil die Onlineversion der Neuauflage schon seit Jahren vorliegt. Ab Seite 918 geht es dann um Typische Anwendungen der drahtlosen Audioübertragung, unter anderem Drahtlose Mikrofone „unersetzliche Produktionsmittel“). Am Ende wird auf WMAS, und DECT 2020 eingegangen, auch bekannt als DECT NR+. (DECT: 1880 – 1900 MHz, ggf. erweitert bis 1920 MHz; hauptsächlich genutzt für Konferenzen, Audio für Video, Intercoms, Talkback und drahtlose Präsentationsmikrofone – Übertragungslatenz von ca. 10ms, „welche für den Einsatz bei Live Musik deutlich zu hoch ist“).
Fazit: Ein sehr gutes Standardwerk
Alles in allem ist auch die 2. Auflage ein hervorragendes, gut geschriebenes und umfangreich mit Bildern und Abbildern angereichertes Standardwerk. Das Buch kann jedem, der mit Audiotechnik näher zu tun hat, nur empfohlen werden.
(Jochen Zenthöfer)
Informationen zum Buch:
https://www.springerprofessional.de/handbuch-der-audiotechnik/51149032?pageNo=1
Rezension von Patrick J. Böttcher:
https://www.proaudio.de/berichte/handbuch-der-audiotechnik-2