Frequenzbedarf für Silent Disco & Silent Conference

Frequenzbedarf für Silent Disco & Silent Conference

Frequenzbedarf für Silent Disco & Silent Conference 1080 1105 SOS - Save our Spectrum

Ein Gespräch mit Jan Pfirrmann, CEO (Germany), Headphone Revolution GmbH, “Home of Silent Disco & Silent Conference”

Wie bist Du zu Disco & Silent Conference gekommen?

Jan Pfirrmann

Ich habe im Jahr 2009 eine Party veranstaltet, bei der es immer wieder zu Lautstärkeproblemen kam, weil sich die Nachbar beschwert hatten. Da wir die Party aber nicht einfach sterben lassen wollten, haben wir es mit einer Silent Disco probiert, … was zu damaligen Zeitpunkt wirklich niemand kannte; geschweige denn gab es einen lokalen Verleiher für solche Technik. Daraus sind dann nach und nach immer mehr Events in der Region und dann auch überregional entstanden. Schnell war klar, dass es sich lohnen würde, das Equipment selbst anzuschaffen, da auch immer mehr Anfragen reinkamen, ob man das Equipment bei mir mieten kann.

Daraus ist dann erst ein Verleih für Silent Disco Systeme geworden. Im Jahr 2017 habe ich meine Kollegen aus UK und Österreich kennengelernt. Sie hatten sich da bereits mit dem Thema beschäftigt, ob man aus der Technologie nicht etwas bauen könnte, was besser ist als alles, was es im Konferenzbereich bezüglich Tour Guide Systemen oder Personenführungsanlagen gibt.

Viel „learning by doing“ und einige Anfängerfehler später hatten wir Ende 2018 das erste eigen entwickelte Silent Conference System auf dem Markt.

Cool! Was ist Euer Geschäftsmodell?

Im Wesentlichen ist es in drei Bereiche aufgeteilt: Zunächst der Verleihservice. Dann der Verkauf von klassischen Silent Disco Systemen und individualisierten Silent Conference Systemen. Außerdem die Eventbetreuung und die Umsetzung mit inzwischen Fokus auf entweder sehr große Events mit über 2.500 bis hin zu 45.000 Kopfhörern oder sehr komplexe Events mit mehr als fünf bis hinzu zu mehr als 30 Frequenzen und Kanälen gleichzeitig.

In welchen Frequenzen funkt Ihr?

Wir können das komplett individuell konfigurieren je nach Event, Bedarf und Setup. Grundsätzlich können wir die 800 MHz, 600 MHz und 500 MHz Frequenzen bespielen und vor allem auch miteinander kombinieren, was einer der wesentlichen Unterschiede unserer Systeme ist.

Gibt es Frequenzherausforderungen, denen Ihr Euch gegenüberseht, oder gar schon Probleme?

Grundsätzlich natürlich erstmal ein schlechtes Frequenzmanagement vor Ort …. oder oft damit einhergehend Unwissenheit der verantwortlichen Personen, bzw. auch häufiger als man denkt, keine verantwortliche Person. Aber fairerweise sind wir deswegen ja auch genau die richtigen Ansprechpartner: Damit alles am Ende funktioniert.

Im Allgemeinen merkt man aber natürlich auch, dass die Lücken enger und der Bedarf immer höher wird. Der Markt im Eventbereich wird eine immer buntere Mischung aus lizenzfreiem Equipment für den Consumer, längst veraltetem Equipment für den PMSE-Bereich, in der Regel minderwertigen Kopien der Silent Disco Technik und vor allem einer großen Veränderung, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen wird, wenn mehr und mehr Frequenzbereiche offiziell nicht mehr genutzt werden dürfen. Was dann passiert, wird wirklich spannend.

In der Tat! Was wünscht Ihr Euch von den Regulierungsbehörden im Bereich Frequenzen?

Wie wahrscheinlich alle, die im Eventbereich tätig sind, erstmal die reine und tatsächliche Anerkennung, wie viel Bedarf hier jeden Tag weltweit besteht. Mein Gefühl ist, dass es bereits daran scheitert und die Eventbranche hier mal wieder keine ausreichende Lobby hat und dann halt einfach mit den Folgen klarkommen muss.

„SOS – Save our Spectrum“ arbeitet hart daran, eine Lobby zu sein, mit Partnern mit APWPT, VPLT und anderen. Ich habe gelesen: Ihr macht viel, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Was genau?

Also grundsätzlich verbraucht ein Event, bei dem der Ton ausschließlich über Kopfhörer übertragen wird, in der Regel schon mal weniger Energie als mit einer lauten PA. Wir beschäftigen uns zwangsläufig aber natürlich auch mit diesem Thema, da wir unsere Produkte immer weiterentwickeln. Unser neustes Modell „HR Z-PRO 50X“ ist – absurderweise – das einzige Silent Conference System auf dem Markt, dass eine Akkuanzeige hat und diesen darüber hinaus exakt in Prozent anzeigen kann. Das bedeutet, grundsätzlich muss man dieses Modell schon mal deutlich seltener laden als alle anderen Modelle davor. Der absolute Game Changer bei diesem Modell ist aber der austauschbare Akku, was mehrere Vorteile bringt: man benötigt viel weniger Platz, viel weniger Zeit und viel weniger zusätzliches Personal. Darüber hinaus produzieren wir langfristig viel weniger Müll, da dieses Modell jetzt von der Hardware her, und eben auch durch unsere Software und die Möglichkeit uns jeder kommenden Regulierung anzupassen, quasi zeitlos haltbar ist.

Was sind Eure Pläne für 2026 und darüber hinaus?

Grundsätzlich versuchen wir jedes Jahr effizienter zu arbeiten und technisch immer mindestens einen, besser drei Schritte voraus zu sein. Eine stetige Herausforderung für uns ist, während wir immer größer und größer werden, die Philosophie mit wachsen zu lassen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das bewusst etwas untypischer ist als die klassische Veranstaltungsbranche ist und vor allem eines bleiben soll, bei dem jede/r morgens gerne zur Arbeit kommt.

Die allgemeine Ideen- und To Do Liste ist unterdessen wie immer vollgepackt; die realistischsten nächsten Neuerungen, die in der kommenden Zeit kommen sollen sind u.a. ein neuer XLR-Transmitter mit Erweiterung auf noch mehr Frequenzbereiche für eine noch größere Flexibilität, die Kompatibilität zu klassischen Sennheiser Handsendern als auch die Möglichkeit für Kunden, dass wir das System remote umkonfigurieren könnten, egal, wo es sich gerade auf der Welt befindet.