Die Bundesnetzagentur unterstützt PMSE-Anwender in vielfältiger Weise bei der Frequenznutzung. Dafür danken wir der Behörde!
Immer wieder stellt sich die Frage, warum Funkstörungen und Frequenzengpässe so selten an die Bundesnetzagentur gemeldet werden.
Dafür gibt es aus Sicht der Praxis eine Reihe nachvollziehbarer Gründe:
- Hoher Aufwand
Die Meldung von Funkstörungen ist zeitaufwendig. In Produktionen mit drahtlosen Funkstrecken treten jedoch regelmäßig Störungen auf, auf die unmittelbar reagiert werden muss. Diese Vorfälle lassen sich im laufenden Betrieb kaum vollständig dokumentieren oder nachverfolgen. - Fehlende unmittelbare Hilfe
In akuten Situationen kann die Bundesnetzagentur meist nicht kurzfristig unterstützen, da Störungsmeldungen häufig erst nach Ende einer Veranstaltung bearbeitet werden. Für die laufende Produktion ergibt sich daraus oft kein praktischer Nutzen. - Pragmatismus im Veranstaltungsbetrieb
RF-Manager lösen Probleme vor Ort häufig pragmatisch und unter hohem Zeitdruck. Nicht jede improvisierte Maßnahme möchte man im Nachgang detailliert offenlegen oder erläutern müssen. Entscheidend ist am Ende vor allem, dass die Veranstaltung störungsfrei durchgeführt werden konnte. - Präventive Einschränkungen
Absehbare Störungen werden häufig bereits im Vorfeld vermieden – etwa durch reduzierte Proben, weniger eingesetzte Funkstrecken oder angepasste Produktionsplanungen. Solche Maßnahmen werden selten öffentlich kommuniziert, da negative Auswirkungen auf Zuschauerzahlen oder Veranstaltungswahrnehmung befürchtet werden. - Priorität: Die Show muss laufen
Im Live-Betrieb hat die unmittelbare Sicherstellung der Produktion oberste Priorität. Einzelne Störungen werden daher oft nicht dokumentiert, weil sämtliche Ressourcen auf die Durchführung der Veranstaltung konzentriert sind. RF Manager werden nicht für die Störmeldung, sondern nur für die Lösung bezahlt. - Fehlende Vergütung
Die Erstellung detaillierter Störungsmeldungen gehört meist nicht zum vergüteten Aufgabenbereich der technischen Teams vor Ort. Entsprechend fehlt im hektischen Produktionsalltag häufig die notwendige Zeit. - Unsicherheit bei der Ursachenbewertung
Nicht jede Störung wird eindeutig externen Einflüssen zugeordnet. Teilweise werden Probleme zunächst auf interne Ursachen wie Bedienfehler oder technische Defekte zurückgeführt. Dadurch werden potenzielle Frequenzprobleme oder externe Störer nicht immer gemeldet. - Das Formular: Nicht praxisnah für PMSE
Das Formular „Meldung von Funkstörungen“ der Bundesnetzagentur ist grundsätzlich sinnvoll, jedoch nicht speziell auf PMSE-Anwendungen ausgerichtet.
Bereits der Einstieg über Datenschutz- und Anmeldedialoge erschwert die Nutzung im laufenden Betrieb. Anschließend werden umfangreiche Angaben abgefragt, darunter vollständige Adressdaten. Danach folgt die Auswahl des betroffenen Bereichs:
- TV / Radio
- Internet / DSL / WLAN
- Telefon
- Gestörte Geräte
- Mobilfunk
- Weitere Funkanwendungen
PMSE-Anwendungen sind dort nicht unmittelbar erkennbar eingeordnet. Erst über mehrere Auswahlstufen findet sich der Punkt „Drahtlose Mikrofonanlagen“. Zusätzlich wird eine „Zuteilungs-/Genehmigungsnummer“ abgefragt, die in vielen Fällen nicht vorliegt.
Das Formular enthält zwar nachvollziehbare Fragen und erlaubt später auch das Hochladen von Anlagen – die praktische Nutzung während einer laufenden Show, oft mobil und unter Störungsdruck, ist jedoch kaum realistisch.
- Sprachbarriere bei internationalen Produktionen
Das Formular steht ausschließlich auf Deutsch zur Verfügung. Gerade bei internationalen Tourproduktionen arbeiten jedoch viele RF-Manager und technische Dienstleister ohne Deutschkenntnisse. - Strukturelles Problem statt Formularproblem
Viele Probleme entstehen letztlich durch mangelnd verfügbares, störungsfreies Frequenzspektrum für Funkmikrofone und PMSE-Anwendungen. Mit ausreichenden Frequenzressourcen würden zahlreiche Störungen gar nicht erst auftreten – und entsprechend auch weniger Meldungen notwendig werden.